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Der Schützenhof

Das Fachwerkhaus mit Scheune wurde im Jahre 1856 in Raubach im Westerwald gekauft, dort abgebaut und mit Pferdefuhrwerken nach Waldbreitbach transportiert. Der Schenkenwirt Anton Schmitz ließ es als „Gasthaus zum Schützenhof“ am heutigen Platz Neuwieder Straße 47 wieder aufbauen mit integrierter Scheune und Heustall, im Hof eine Backstube, daneben ein Kuh- und Schweinestall, ein Plumps-Klosett und weiter unten im Hof „e Pißhäusje“. In den Gebäuden wurde zu dieser Zeit eine Bäckerei, eine Gastwirtschaft und eine kleine Landwirtschaft betrieben. Anton Schmitz war nicht nur Schenkenwirt und Bäcker, sondern auch im Basaltabbau am Mahlbergskopf und als Fuhrunternehmer tätig, wie ein Pachtvertrag bezeugt.

Nach seinem Tod trat Sohn Peter in die Fußstapfen und führte Bäckerei, Wirtschaft und Basaltabbau weiter. Die neu ausgestellte Schankerlaubnis aus dem Jahre 1870 belegt dies. Ferner berichtet Bürgermeister Reusch in einem amtlichen Nachweis, „daß der Wirth Schmitz für Übernachtungen 1 Zimmer und 1 Bett gemeldet hat“.

Im Jahre 1912 übernimmt Sohn Willi Schmitz das „Gasthaus zum Schützenhof“, wie die Genehmigungsurkunde für Gast- und Schankwirtschaft zeigt. Eine umfassende „Gebäudebeschreibung nebst innerer Einrichtung des Gastwirthschaftsgebäudes….in unmittelbarer Nähe des Bürgermeisteramtes und der Apotheke“ liefert exakte Angaben zu Größe, Beschaffenheit und Einrichtung des Anwesens wie z.B.: „Stallung für 6 Pferde ist vorhanden. Pissoir und Aborte mit genügendem Abfluß ebenfalls. Außerdem befindet sich im Hof ein Brunnen mit gutem Trinkwasser“.

Vermutlich in der Zeit um 1918 entstand dieses Foto von der Hauptstraße aus. Das Fachwerk, heute meist ein wichtiges historisches und dekoratives regiontypisches Konstruktionsmerkmal, war zu diesem Zeitpunkt vertuscht, übertüncht oder verputzt. Schön zu sehen die Remise mit dem hölzernen Tor und das handbehauene Basalt-Kopfsteinpflaster bis zur Straße hin.

Ein größerer Umbau stand 1933 an: Scheune und Heustall am Haus wurden abgerissen und es entstand ein Anbau mit zeitgemäßer Geschoßhöhe und einem aufragenden Giebel in Richtung Commende. Im Erdgeschoß befand sich nun zusätzlich ein Büroraum mit gesondertem Eingang: die Räumlichkeit für die Spar- und Darlehenskasse. Er besaß eine Verbindungstür zur Gastwirtschaft aus massivem Eichenholz, die auch als Durchgang genutzt wurde. So konnten z.B. am Sonntag vormittag Kirchenbesucher aus den umliegenden Dörfern nach dem Hochamt die für eine Stunde geöffnete Spar- und Darlehenskasse aufsuchen und gleich danach im Schützenhof einkehren. In der oberen Etage entstand neben zwei großzügigen Räumen ein Badezimmer, was durch die neue Herdheizung in der Küche mit fließendem warmen Wasser versorgt wurde. Mit diesem Umbau wurde der Grundstein für die beginnende Umwandlung des Gasthauses in ein Geschäftshaus eingeleitet.

Nach dem frühen Tod von Willi Schmitz führte seine Frau Helene mit den Kindern das Gasthaus durch die Wirren der NS-Zeit und des Krieges. In der Nachkriegszeit, nach überstandener Gefangenschaft in Russland, übernimmt Sohn Josef später mit Frau Lena die „Geschäftsführung“ bis zur Schließung des Gasthauses 1964. Es erfolgte eine Vergrößerung der Spar- und Darlehenskasse und nach Einbau von zwei „modernen“ Schaufenstern zog das Geschäft von Johannes Schicker mit Zeitungen, Zeitschriften und Toto–Lotto ins Haus ein. Nach Umzug der Raiffeisenkasse 1971 in neue Räumlichkeiten wurde das gesamte Erdgeschoß mit großflächigen eloxierten Schaufenstern zum Ladenlokal umgewandelt, damals zweckmäßig und neumodisch, heute weder das eine noch das andere. Verschiedene Mieter- und Angebotswechsel führten stetig weiter in einen Abwärtstrend, der im Jahr 2000 mit einer neuen Fassade und Begrünung und schließlich 2003 mit neuer Schaufensteranlage, Eingangsbereich und dem Einzug von „Bärbel’s Schuhlädchen“ gestoppt wurde.

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